Warum so viele Reisemobile überladen unterwegs sind
Die Rechnung, die im Verkaufsprospekt steht, ist selten die Rechnung, die auf der Waage steht. Drei Gründe treffen fast immer zusammen.
1. Die Herstellerangabe ist eine Untergrenze
Die „Masse in fahrbereitem Zustand" ist ein normierter Wert. Jede Sonderausstattung, die Sie beim Kauf angekreuzt haben – Markise, zweite Batterie, Solaranlage, Fahrradträger, Auffahrkeile, Sat-Anlage – kommt obendrauf. Bei gut ausgestatteten Fahrzeugen sind das schnell 150 Kilogramm, die in keiner Broschüre auftauchen.
2. Wasser wiegt genau so viel, wie es wiegt
Ein Liter Frischwasser ist ein Kilogramm. Ein 120-Liter-Tank voll ist ein erwachsener Mensch mehr im Fahrzeug. Deshalb fahren erfahrene Reisemobilisten mit teilgefülltem Tank und füllen erst am Ziel auf.
3. Mitfahrer zählen mit 75 Kilogramm – auch wenn sie leichter sind
Für die zulässige Gesamtmasse gilt eine normierte Rechengröße pro Sitzplatz. Was auf der Waage steht, zählt bei der Kontrolle natürlich trotzdem; für die Auslegung des Fahrzeugs ist aber der Normwert maßgeblich.
Geahndet wird ab etwa fünf Prozent Überschreitung, gestaffelt nach Ausmaß. Bei deutlicher Überladung kommen zum Bußgeld ein Punkt und die Untersagung der Weiterfahrt bis zur Umladung – mitten im Urlaub, am Straßenrand. Schwerer wiegt der versicherungsrechtliche Teil: Bei einem Unfall mit erheblich überladenem Fahrzeug kann der Versicherer Leistungen kürzen.
Die vier wirksamsten Hebel
- Mit halbem Tank fahrenbis 60 kg
- Wasser gibt es am Stellplatz. Nur so viel mitnehmen, wie bis zum nächsten Anschluss reicht.
- Auflastung prüfenoft 100 bis 300 kg
- Viele Fahrgestelle lassen sich per Eintragung auf eine höhere zulässige Gesamtmasse bringen, wenn Achsen und Bremsen es hergeben. Meist reine Papierarbeit über einen Prüfingenieur. Achtung: Über 3,5 t brauchen Sie Klasse C1 und es gelten andere Prüffristen – siehe Prüffristen-Rechner.
- E-Bikes überdenkenbis 70 kg
- Zwei E-Bikes plus Träger liegen bei 65 bis 80 Kilogramm – und sitzen am Heck, also am ungünstigsten Hebel für die Hinterachslast.
- Einmal öffentlich wiegenKosten meist unter 20 €
- Beladen, wie Sie wirklich fahren. Jede Schätzung liegt daneben, und meistens nach unten.
Was das beim Verkauf bedeutet
Zuladung ist am Gebrauchtmarkt ein echtes Verkaufsargument. Ein Fahrzeug mit 700 Kilogramm Reserve findet deutlich schneller einen Käufer als ein baugleiches mit 350. Wenn Ihr Fahrzeug gut dasteht, gehört die Zahl ins Inserat – und wenn es auflastbar ist, gehört auch das hinein.
Umgekehrt: Ein Fahrzeug knapp über 3,5 Tonnen verliert einen erheblichen Teil der Interessenten, weil dafür Klasse C1 oder die alte Klasse 3 nötig ist. Wie stark das den Preis drückt, zeigt der Wertindikator.